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01.04.2020

Ist heute ein guter Museumstag?

In jedem - wirklich jedem - meiner Seminare frage ich immer ein und dieselbe Frage:

Ist heute ein guter Museumstag?

Warum frage ich das? Ganz einfach, weil mich die Idee von John Strelecky nicht mehr loslässt.

Was wäre, wenn jeder Tag unseres Lebens katalogisiert würde? Unsere Gefühle, die Menschen, mit denen wir zu tun haben, die Dinge, mit denen wir unsere Zeit verbringen? Und wenn am Ende unseres Lebens ein Museum errichtet würde, in dem genau zu sehen wäre, wie wir unser Leben verbracht haben?
Stellen Sie sich folgendes vor:
Wenn wir 80 % unserer Zeit mit einem Job verbrächten, der uns nicht gefällt, dann wären auch 80 Prozent des Museums genau damit gefüllt. Man würde Bilder und Zitate sowie kurze Videofilme sehen, die Szenen verschiedener unglücklicher Momente zeigen. Wenn wir zu 90 Prozent  der Menschen, mit denen wir zu tun haben, freundlich wären, würde man genau das in dem Museum zeigen. Aber wenn wir ständig wütend und ungehalten wären oder 90 Prozent des Menschen in unserem Umfeld anschreiben würden, könnte man auch das sehen. Alles wäre mit Fotos, kurzen Videoclips und Hörbeitragen dokumentiert.
Wenn wir gerne in der Natur unterwegs wären, am liebsten viel Zeit mit unseren Kindern oder Freunden verbrächten, wenn wir das Leben gerne mit unserem Partner genießen würden, aber all dem nur zwei Prozent unseres Lebens widmen würden, dann wären auch nur zwei Prozent unseres Museums damit gefüllt - so sehr wir uns auch etwas anderes wünschen würden. Wahrscheinlich gäbe es dazu nur ein paar eingerahmte Bilder am Ende eines langen Flurs zu sehen.
Stellen Sie sich vor, wie es wäre, am Ende unseres Lebens durch das Museum zu gehen. Die Videos zu sehen, die Tondokumente zu hören und die Bilder zu betrachten. Wie würden wir uns dabei fühlen? Wie würden wir uns fühlen, wenn wir wüssten, dass uns das Museum für immer und ewig zu zeigen würde, wie an sich an uns erinnert?
Alle Besucher würden uns genau so kennenlernen, wie wir tatsächlich waren. Die Erinnerung an uns würde nicht auf dem Leben basieren, das wir uns eigentlich erträumt hatten, sondern darauf wie wir tatsächlich gelebt haben.
Stellen Sie sich vor, der Himmel oder das Jenseits oder wie auch immer wir uns das Leben nach dem Tod vorstellen, sähe so aus, dass wir auf ewig als Führer in unserem eigenen Museum unterwegs wären.
(aus The Big Five for Life von John Strelecky)

Diese Geschichte hat mich in ihren Bann gezogen, sie lässt mich einfach nicht mehr los.
Stellen Sie sich vor, sie sterben und werden dann Führer in ihrem Museum. Sie erzählen den Leuten, wie gerne sie gereist wären, wie gerne sie dies und das getan hätten, wenn xyz eingetreten wäre. Und dann führen Sie sie durch ihr wahres Leben, jeden Tag aufs Neue zeigen sie den Leuten in ihrem Museum  ihren Job und wie er sie gelangweilt hat. Ihre Abende vorm TV, wie sie da sitzen und sich berieseln lassen. Wie sie am Wochenende etwas aktiver sind. Dann gehen sie in Rente, leben ein halbes Jahr intensiv, werden krank und fristen dann ihr Rentnerdasein.
Denken Sie, dass würden sich gerne viele Besucher anschauen? Klingt eher wie die Hölle.
In der TV-Serie Lucifer wird die Hölle ähnlich dargestellt. Dort bedeutet die Hölle, dass die Leute, die Momente immer wieder erleben in denen sie sich schuldig fühlen und so ewige Qualen erleiden.
Ein Vorteil den ich sehe ist, dass bei Lucifer es nur einen Moment ist, bei Strelecky ist es sein ganzes Leben, das man täglich wieder erfährt. Vorteil bei Strelecky, dort sind alle Momente enthalten, also auch die guten, glücklichen, erfüllten Momente im eigenen Leben.

Ich finde diese Idee so magisch, dass ich mir selbst diesen Satz an den Badspiegel geklebt habe, so dass ich jeden Morgen daran erinnert werde, heute einen guten Museumstag zu schaffen.

Aufbauend auf den Museumstag, habe ich mir eine Excel Tabelle erstellt, die ich jeden Tag am Computer als erstes öffne und die mir zeigt, wie viele Tage ich, statistisch gesehen, noch zu leben habe. Warum Tage? Tage wirken realer. Tage wirken kürzer als Jahre. Jahre sind für das Gehirn ein ziemlich abstrakter Begriff. Aber Tage sind kurz, prägnant und begreifbar. Das macht alles viel realer.

Haben mich diese Gedanken verändert? Ja, sehr sogar. Seit ich dieses Konzept in meinem Kopf habe, versuche ich viel mehr Museumstage zu erschaffen, bin aktiver, kreativer, erfüllter, gesünder und glücklicher. Und das möchte ich anderen Menschen weitergeben.

Admin - 14:54:47 @ Werte, Sinnorientierte Unternehmensführung, Warum | Kommentar hinzufügen